von Daniel „Malun“ Lange.
Lieber Herr Oberbürgermeister, Liebe Stadträtinnen und Stadträte Liebe Freunde und Gäste, vielen Dank für diese Ehre und Würdigung. Das macht mich sehr glücklich.
Ich stehe heute vor euch, um nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern ein Gefühl mit euch zu teilen. Das Gefühl eines jungen Mannes, der Ende der 90er Jahre nach Ingolstadt kam und rückblickend betrachtet, unglaublich viel Glück hatte.
Ich bin an die richtigen Menschen geraten und habe die richtigen Orte entdeckt.
Orte wie die Fronte 79 – ein Ort, der uns die Möglichkeit gab uns zu entfalten.
Ich danke dem Stadtjugendring, speziell Stefan Moser, und dem damaligen Kulturreferenten Gabriel Engert. Denn sie hatten schon Mitte der 90er Jahre den Mut und die Weitsicht, zu erkennen: das Graffiti – diese rohe und hungrige Jugendbewegung etwas Großes werden würde.
Heute, fast drei Jahrzehnte später, ist Graffiti nicht mehr wegzudenken. Es ist fester Bestandteil unseres Stadtbilds und unserer Kultur. Doch das war nur möglich, weil wir damals etwas Unbezahlbares bekamen: Raum. Raum, um uns zu entfalten, zu scheitern und uns weiterzuentwickeln – und damit wiederum neuen Raum zu schaffen für all jene, die nach uns kamen.
Künstlerische Förderung ist nicht nur ein Wort, es ist eine Lebenschance. Gerade für Menschen wie mich, die ohne kulturelle Bildung und in armen sozialen Verhältnissen aufgewachsen sind. Kunst hat mir den Zugang zur Welt eröffnet.
Sie hat mich gelehrt, was Zusammenhalt, was Mut heißt – und welche gewaltige Kraft in echter Empathie steckt. Kunst nimmt uns die Angst. Sie flüstert uns zu: Fehler sind keine Niederlagen, sie sind der Treibstoff für Neues. Und sie lehrt uns etwas, das in unserer lauten und gespaltenen Zeit oft verloren geht: Respekt. Respekt vor der anderen Ansicht, dem anderen Gedanken. Wir sind vielschichtig, ja! Aber genau hier entfaltet Kunst ihre magische Kraft – sie verbindet, sie öffnet, sie lässt uns visionär denken.
Heute sind viele meiner damaligen Weggefährten professionelle Künstler oder Designer. Und auch ich bin dankbar, Teil des BBK Ingolstadt zu sein – ganz ohne Studium, ohne klassischen Weg.
Dafür mit einer ungebrochenen Leidenschaft, mit Menschen an meiner Seite, die ich bewundere, und mit Kolleginnen und Kollegen, die mir mit offenem Herzen begegnen.
Ich danke auch meinen privaten Förderern. Den Menschen, die seit so vielen Jahren nicht nur an die Kunst, sondern an MICH glauben. Die da sind, wenn das Licht ausgeht. Die mich unterstützen und mir Mut machen – die mich auffangen, wenn ich drohe zu zerbrechen. Ich danke meiner Frau, die alles dafür tut das ich meinen Weg gehen kann und mir oft genug den Rücken frei gehalten hat, wenn die Kunst mal nicht rentabel war. Als Künstler habe ich gelernt, was es heißt, als „nicht systemrelevant“ zu gelten. Und dass Kunst- und Jugendförderung oft als „freiwillige Leistung“ belächelt wird.
Aber ich sage euch: Gerade jetzt, wo sich die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte wiederholen, brauchen wir die Kunst mehr denn je! Egal ob Malerei, Musik oder Schauspiel – sie alle sind unsere Hoffnung, unsere Orientierung, unser Anker der Menschlichkeit.
Seht unser Landmarks-Projekt. Es ist uns gelungen, die Kunst dorthin zu bringen, wo die Menschen leben. Zu jenen, die vielleicht nie den Weg ins Museum gefunden hätten. Es ist der leuchtende Beweis, was aus echter Jugendförderung entstehen kann. Es zeigt, wie jung, wie mutig, wie modern unsere Stadt WIRKLICH sein kann – wenn wir die richtigen Menschen einfach mal machen lassen.
Das ist mein Appell, meine dringende Bitte an euch alle: Lasst uns gemeinsam durch diese Zeit gehen.
Lasst uns den Mut zur Lücke haben!
Was unsere Szene braucht, sind Räume mit Ecken und Kanten. Räume wie die Fronte oder die Kunst- und Kulturbastei – Orte, an denen die nächste Generation genau das lernen kann, was uns stark gemacht hat: Hingabe, Zusammenhalt und Kreativität. Uns hilft kein schöner Plan auf Papier, wenn es keinen einzigen bezahlbaren Ort gibt, wo eine Idee, eine Melodie, ein Bild überhaupt erst entstehen kann. Wir brauchen keine Millionen für polierte Hochglanzprojekte – wir brauchen bezahlbaren Raum, in dem die Seele atmen und die Kunst wild wachsen darf!
Lasst uns die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen! Lasst uns aus Ihnen lernen!
Denn wenn wir heute den Raum verwehren, wenn wir die Kreativität ersticken, dann nehmen wir dieser Stadt nicht nur ein paar Bilder oder Töne – wir nehmen ihr die Seele! Wir nehmen der nächsten Generation die Chance, die Welt nicht nur zu sehen, sondern sie neu zu träumen!
Lasst uns diesen Raum gemeinsam schaffen! Für die Kunst, die uns heilt!
Für die Zukunft, die uns erwartet!
Für all jene, die noch kommen werden und deren Namen wir heute noch nicht kennen – denn ohne diese Räume stände ich heute auch nicht hier!
Danke!
Und eins noch:
An den Herrn Stadtrat der uns in der Zeitung als „verwöhnte“ Stadtgesellschaft bezeichnet hat. Mit seiner Unwissenheit ignoriert er die private Arbeit, die Ingolstadt seit Jahren antreibt! Projekte wie ‚Landmarks‘ sind keine Forderung an die Stadt, sie sind unser Geschenk an die Gemeinschaft – eine Chance, Ingolstadt endlich als die moderne, dynamische Pionierstadt zu zeigen, die sie ist!
Wir brauchen keine wohlfeilen Worte über Gemeinschaftssinn, wir brauchen die ehrliche Wertschätzung für die Macher! Denn fehlende Anerkennung ist der Punkt, an dem die Motivation bricht! An dem die Pioniere ihre Existenz riskieren und aufgeben!
Wenn wir diesen Einsatz verlieren, verlieren wir nicht nur Projekte! Wir verlieren den Mut, die Inspiration, den Motor unserer Zukunft! Und das, meine Damen und Herren, ist etwas, das sich diese Stadt nicht leisten kann!
