Danksagung – Rede zum Kulturpreis

von Leni Brem-Keil.

Lieber Herr Oberbürgermeister, liebe Ingrid, liebe Mit-Preisträgerinnen und Mit-Preisträger, sehr geehrte Damen und Herren!
Jetzt stehe ich hier. Genau hier, wo vor 15 Jahren alles für mich in Ingolstadt begonnen hat. Als Regiehospitantin hier am Stadttheater war damals der Plan, eigentlich nur für eine Produktion hierher zu kommen und danach direkt weiterzuziehen. Wie wir sehen, ist dieser Plan nicht ganz aufgegangen. Und das im besten Sinne.

Ich habe mich damals entschieden, das Angebot anzunehmen, hier weiterzuarbeiten und ich habe mich in all den Jahren seitdem immer wieder entschieden, hier zu bleiben. Und wie man sieht, war es die richtige Entscheidung. Wie schön, dass sich dieser Kreis mit der heutigen Preisverleihung hier schließt. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier in Ingolstadt all die Möglichkeiten hatte, mich auszuprobieren, mich weiterzuentwickeln, zu wachsen, zu lernen, meine künstlerische Arbeit zu entwickeln und zu schärfen, mit vielen tollen Menschen zusammenzuarbeiten, mich zu engagieren und einzubringen.
So stehe ich nun heute hier. Aber wer wird an meiner Stelle in ein paar Jahren hier stehen? Wird es sie noch geben: die Kulturschaffenden in dieser Stadt? Werden wir auch weiterhin uns dafür entscheiden, hier zu bleiben? Werden wir uns entscheiden können? Denn wir blicken in eine schwierige Zukunft und spüren ebendiese auch schon in der Gegenwart. Eine Zeit der finanziellen Einschnitte, Kürzungen und Sparmaßen. Und wir wissen nicht, wie es weitergehen wird.

Wir sind nicht schwach, aber dennoch schützenswert. Wir sind sogar besonders stark, weil wir lieben, was wir tun, weil wir unsere Berufe mit Begeisterung und Leidenschaft ausüben. Weil wir Lösungen und Wege finden, weil wir nicht aufgeben und weitermachen. Aber wir brauchen
starke Partnerinnen und Partner an unsere Seite und hoffen, diese in der Stadt und Stadtgemeinschaft zu finden.
Wir sind nicht schwach, aber dennoch besonders schützenswert. Wir müssen geschützt werden vor einem finanziellen Kahlschlag, der eine kulturlose Stadt hinterlassen würde. Wir müssen geschützt werden vor Debatten, welche die Kultur als realitätsfern, elitär und überteuert darstellen. Und wir müssen geschützt werden vor einer Partei, die uns am liebsten anscheinend nicht mehr sehen und hören möchte – wenn das zuständige Afd-Mitglied aus dem Kulturbeirat aussteigt, mit der Begründung dieser gehöre aufgelöst, zeigt uns das leider zu deutlich, was diese Partei von Kultur und Teilhabe hält.
Wir müssen geschützt werden! Denn welch triste Wüste hinterlässt eine Stadt ohne Kunst und Kultur?! Wollen wir ein solch trauriges Experiment wagen? Wo wir den Ausgang doch sogar schon kennen. Wollen wir dadurch traurige Berühmtheit erlangen?

Ich möchte meine Worte nicht als undankbar missverstanden wissen. Denn ich bin sehr dankbar. Dankbar für diesen Preis, der eine besondere Wertschätzung und Ehrung meiner Arbeit ist. Dankbar für diese Stadt und die Menschen in ihr, die mir all das ermöglich haben. Dankbar für die Offenheit, den Mut und die Innovation, die ich hier erleben durfte. Dankbar für die Chancen, die ich bekommen habe. Ich bin dankbar, dass Ingrid Cannonier mir vor 9 Jahren ihr Vertrauen geschenkt hat, das von ihr gegründete Altstadttheater zu übernehmen und mir seitdem Mentorin und Freundin geworden ist. Ich bin dankbar für mein Team im Altstadttheater, das höchst engagiert, treu und künstlerisch ausgezeichnet ist. Ich bin dankbar für unser Publikum, das unsere Arbeit sehr schätzt und ihr vor allem durch zahlreiche Besuche einen Sinn gibt.
Ich bin dankbar, dass der Verein Neue Sicht mit den Vorsitzenden Betty Krugsperger, Sigi Diewald und Lisa Helbig mich für diesen Preis nominiert hat und dankbar, dass der Kulturbeirat mich empfohlen und der Stadtrat sich für mich entschieden hat. Ich bin dankbar für eine starke und tapfere Kultur-Community hier in der Stadt, die sich gegenseitig unterstützt und eine große Gemeinschaft bildet. In diesem Sinne freue ich mich sehr, hier heute nicht alleine zu stehen und gratuliere von ganzem Herzen meinen Mitpreisträgerinnen und Mitpreisträgern!

Und ich bin dankbar für meine ganz wunderbare Familie, hineingeboren und angeheiratet. Ich möchte Sie warnen, ich werde diesen Begriff – wunderbar – nun zum Abschluss meiner Worte ein wenig überstrapazieren: ich danke meinen wunderbaren Neffen und Nichten, meinen wunderbaren Schwiegereltern, meinen wunderbaren Schwägerinnen und Schwagern, dass sie alle immer für mich da sind und mir alle ein großartiges Gefühl von Familie geben. Ich danke meinen wunderbaren Eltern und meinen wunderbaren Geschwistern, die mir alles mitgegeben haben, was ich im Leben nur brauchen kann und mich zu der gemacht haben, die heute hier steht. Und ich danke meinem wunderbaren Mann, der immer an meiner Seite steht, immer für mich da ist und mich in allem unterstützt.

Vielen Dank!