Unser Aktionsbündnis

… versteht bürgerschaftliches Engagement, öffentliche Kritik und auch Proteste als Ausdruck gelebter demokratischer Verantwortung. Wenn Bürgerinnen und Bürger, Initiativen und Kulturschaffende öffentlich auf Gefährdungen ihrer Arbeits- und Wirkungsfelder aufmerksam machen, ist dies ein legitimer und notwendiger Bestandteil demokratischer Meinungsbildung – insbesondere dann, wenn Entscheidungen von erheblicher Tragweite für die Stadtgesellschaft anstehen.

Niemand in unserem Bündnis stellt die angespannte Haushaltslage der Stadt Ingolstadt in Abrede. Uns sind Defizite, Sparauflagen, Bedarfszuweisungen und die Zwänge kommunaler Finanzpolitik bewusst. Gleichzeitig gilt: Sparprozesse sind nie ausschließlich technische Vorgänge. Sie beinhalten stets politische Abwägungen und spiegeln Prioritätensetzungen wider, die langfristige Auswirkungen auf das Gemeinwesen haben.

Kultur, Bildung und Soziales werden haushaltsrechtlich als sogenannte „freiwillige Leistungen“ geführt. Diese Einordnung beschreibt eine formale Kategorie, sagt jedoch wenig über ihre gesellschaftliche Bedeutung aus. Für eine demokratische, soziale und kulturell vielfältige Stadtgesellschaft sind sie unverzichtbar. Sie bilden ein komplexes Gefüge, das sich nicht ohne Weiteres zurückfahren und zu einem späteren Zeitpunkt wieder herstellen lässt. Der Abbau entsprechender Strukturen zeigt häufig erst verzögert seine Folgen, diese wirken dann jedoch nachhaltig.

In Ingolstadt trifft dies in besonderem Maße zu. Die kulturelle Infrastruktur der Stadt ist vergleichsweise empfindlich gegenüber größeren Einschnitten. Kürzungen oder strukturelle Rückzüge betreffen hier nicht randständige Angebote, sondern zentrale Einrichtungen und Orte öffentlicher Teilhabe, darunter Stadtbücherei, Volkshochschule, Theater, freie Initiativen und soziokulturelle Räume. Der Hämerbau verdeutlicht, wie langfristig aufgeschobene Entscheidungen zu Situationen führen können, in denen Handlungsspielräume deutlich eingeschränkt sind – mit erheblichen Konsequenzen für kulturelle Nutzungsmöglichkeiten und Öffentlichkeit.

Der Hinweis, dass Kultur nicht höher zu gewichten sei als andere kommunale Aufgaben, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Kritisch wird diese Position dort, wo Kultur, Bildung und Soziales in der praktischen Umsetzung regelmäßig nachrangig behandelt werden. Dies geschieht nicht selten, weil ihre Wirkungen schwerer quantifizierbar sind oder sich nicht unmittelbar in ökonomischen Kennzahlen abbilden lassen. Eine solche Gewichtung birgt das Risiko, langfristige gesellschaftliche Effekte unzureichend zu berücksichtigen.

Kulturelle und bildungsbezogene Einrichtungen sind kein bloßer Zusatz urbanen Lebens. Sie erfüllen zentrale Funktionen für gesellschaftlichen Austausch, kritische Auseinandersetzung und sozialen Zusammenhalt. Sie tragen zur demokratischen Resilienz einer Stadt bei und stärken ihre Fähigkeit, mit sozialen und politischen Herausforderungen konstruktiv umzugehen. Einschränkungen in diesen Bereichen haben daher nicht nur kurzfristige, sondern auch strukturelle Folgen.

Viele Akteurinnen und Akteure der Ingolstädter Kulturszene arbeiten seit Jahren unter hohem finanziellem und organisatorischem Druck, häufig gestützt durch erheblichen ehrenamtlichen Einsatz. Zusätzliche Kürzungen lassen sich unter diesen Bedingungen nur begrenzt kompensieren. Bürgerschaftliches Engagement kann staatliche und kommunale Verantwortung ergänzen, aber nicht ersetzen.

Unser Aktionsbündnis setzt sich nicht für Ausnahmen um jeden Preis ein. Wir setzen uns für transparente Entscheidungsprozesse, nachvollziehbare Prioritätensetzungen und den nachhaltigen Erhalt der kulturellen, sozialen und bildungspolitischen Infrastruktur Ingolstadts ein. Dazu gehört auch die Anerkennung des legitimen Engagements jener, die sich öffentlich, friedlich und konstruktiv in diese Debatten einbringen.

Ingolstadt ist eine Großstadt. Daraus erwächst die Verantwortung, kulturelle Vielfalt, öffentliche Diskurse und demokratische Beteiligung auch unter schwierigen finanziellen Bedingungen als zentrale Bestandteile städtischer Entwicklung zu begreifen und entsprechend zu berücksichtigen.